Ringer-Bundesliga startet: ASV Schorndorf empfängt Meister Burghausen
Über sieben Monate mussten sich die Fans des ASV Schorndorf während der Sommerpause gedulden – am Samstag (19.30 Uhr) können sie nun wieder in die Grauhalde kommen, um die Bundesliga-Ringer zu unterstützen. Zum Auftakt der Saison 2026/27 empfangen die „Spartaner“ keinen Geringeren als den Deutschen Mannschaftsmeister SV Wacker Burghausen – einen Gegner, dessen Gastspiele trotz der geografischen Entfernung von mehr als 300 Kilometern stets Derbycharakter besitzen.
Fast schon traditionell hat der Deutsche Ringer-Bund seine höchste Liga und die dazugehörenden Durchführungsbestimmungen über den Sommer kräftig durcheinandergewirbelt.
„Solche drastischen Änderungen von einer auf die andere Saison habe ich noch nie erlebt“, sagt Sedat Sevsay, Vorstand und Trainer des ASV Schorndorf.
Neuer Bundesliga-Modus mit 20 Mannschaften.
Gab es im vergangenen Jahr noch eine erste Bundesliga mit acht Mannschaften und darunter zwei regional aufgeteilte zweite Ligen mit sieben beziehungsweise acht Teams, wurden nun alle drei Ligen zusammengeführt. Entstanden ist eine neue erste Bundesliga mit 20 Teams, die den Modus der Fußball Champions League übernommen hat. Während der Hauptrunde bestreitet jeder Verein 12 Kämpfe gegen 12 verschiedene Gegner, sämtliche Ergebnisse fließen in eine gemeinsame Tabelle ein. Die Zuordnung der Gegner erfolgte aus zwei Töpfen mit jeweils zehn Teams – dem starken Topf A mit den acht Bundesligisten der vergangenen Saison sowie den beiden Zweitliga-Meistern und Topf B mit den bisherigen Zweitligisten. Jede Mannschaft absolviert jeweils sechs Kämpfe gegen Gegner aus den Töpfen A und B. Damit treffen alle Vereine auf zwölf unterschiedliche Gegner, kein Duell findet innerhalb der Hauptrunde zweimal statt.
Der ASV Schorndorf empfängt in der Hauptrunde zuhause den SV Wacker Burghausen (5.9.), KV Riegelsberg (19.9.), KSC Hösbach (3.10.), SC Kleinostheim (17.10.), RKG Freiburg 2000 (21.11.) und AC Lichtenfels (5.12.). Auswärts tritt das Team des Trainergespanns Sedat Sevsay und Jörg Sänger gegen RKG Reilingen/Hockenheim (11.9.), RSV Rotation Greiz (26.9.), FC Erzgebirge Aue (10.10.), RG Saarbrücken (7.11.), KSV Köllerbach (28.11.) und AC Heusweiler (6.12.) an.
Handicap-Punkte fallen weg.
Eine weitere einschneidende Veränderung ist der Wegfall der in den vergangenen Jahren viel diskutierten Handicap-Punkte. Zur Erinnerung: Jeder Ringer wurde in den letzten Jahren auf Grundlage seiner Erfolge klassifiziert und erhielt zwischen null (Eigengewächs) und acht (ausländischer Ringer mit internationalen Medaillen) Punkten. Pro Bundesliga-Kampf durfte jedes Team mit seinen zehn eingesetzten Ringern ein festgelegtes Punktelimit nicht überschreiten – eine Regelung, die häufig zu ungleichen Duellen auf der Matte geführt hatte.
Durch den Wegfall dieser Regelung dürfen sich die Fans des hochklassigen Ringkampfsports nun Woche für Woche auf zehn ausgeglichene Kämpfe freuen. Die Kaderplaner der 20 Bundesligisten können den Taschenrechner künftig in der Schublade lassen, das „Punkte-Schachspiel“, durch das ein Bundesliga-Kampf oftmals bereits im Vorfeld entschieden wurde, gehört damit der Vergangenheit an.
Dem befürchteten Wettrüsten der Bundesligisten wurde zugleich durch die Reduzierung der Anzahl an Lizenzen für ausländische Ringer ein Riegel vorgeschoben.
„Bisher hatten wir den Luxus, dass wir 13 Ausländer-Lizenzen vergeben durften. Jetzt wurde die Zahl auf acht reduziert, was die Kaderplanung erschwert hat“, weiß Sedat Sevsay.
Um während der Hauptrunde auf mögliche Verletzungen reagieren zu können, hat der ASV derzeit erst sechs seiner acht Ausländer-Lizenzen gezogen.
Hochkarätige ausländische Ringer starten beim ASV.
Da jeder einzelne dieser möglichen acht ausländischen Ringer ein Volltreffer sein muss, setzen die Schorndorfer auf bewährte Kräfte wie Luis Orta Sanchez, Ibrahim Ghanem, Iuri Lomadze, Murad Kuramagomedov, Ahmet Yilmaz und Arseni Dzhioev. Hinzu kommen der Weltranglisten-Dritte Nuraddin Novruzov (61 kg Freistil, Aserbaidschan), Asienmeister und Ex-U23-Weltmeister Ernazar Akmataliev (71 kg Freistil, Kirgistan) sowie der amtierende Weltmeister Georgios Kougioumtsidis (86 kg Freistil, Griechenland). Welche dieser neun Hochkaräter bereits lizenziert wurden, verrät Sevsay nicht.
Ein wichtiger Faktor bei der Verpflichtung der Schorndorfer Gastringer waren zudem die Ende Oktober stattfindende Weltmeisterschaft und der Start in das vorolympische Jahr 2027 während der Playoffs. Sedat Sevsay erläutert:
„Während der WM-Vorbereitung und vor den Weltranglisten-Turnieren, die für die Olympia-Qualifikation wichtig sind, lassen viele Verbände ihre Top-Ringer nicht ausreisen. Deshalb setzen wir hier auf Athleten von Verbänden, mit denen man hier besser zusammenarbeiten kann.“
Bewährte deutsche Achse und neue Talente.
Traditionell setzt der ASV Schorndorf auf eine starke deutsche Achse, insbesondere in den Griechisch-Römisch-Klassen. Vertraute Namen wie Jello Krahmer, Lukas Lazogianis, Ruslan Kudrynets, Dawid Wolny, Ertugrul Agca oder Mohsen Siyar bilden auch künftig den Kern der Mannschaft. Ergänzt wird das Team durch die talentierten Eigengewächse Kevin Karl, Alexander Schlee, Florian Levy und Henrik Früh, die behutsam an das Bundesliga-Level herangeführt werden.
Auch bei den vier Langzeitverletzten der vergangenen Saison zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Georgios Scarpello und Aron Bellscheidt sollen in der Rückrunde wieder ihre ersten Kämpfe bestreiten können, während Stas David Wolf (Sevsay: „Er ist gefühlt ein weiterer Neuzugang.“) nach mehr als einem Jahr verletzungsbedingter Pause im Juni Deutscher Meister wurde und dem ASV-Kader zusätzliche Flexibilität verschafft. Lediglich bei Deni Nakaev deutet derzeit noch nichts auf eine baldige Rückkehr hin.
Neu im Team sind der 18-jährige mehrfache Deutsche Jugendmeister Iannis Lupu (61 kg Freistil) und Adam Leifridt (21 Jahre, 86 kg Freistil), der von den Grizzlys Nürnberg ins Remstal wechselt und Deutschland bereits bei der U20-Europameisterschaft vertreten hat. Besonders freuen dürfen sich die Schorndorfer Fans auf Top-Talent Timur Demir, der 2026 Deutscher Meister bei den Männern wurde und eine familiäre Verbindung zum ASV Schorndorf besitzt: Sein Vater Yasar stand Ende der 90er mehrere Jahre im Trikot der Spartaner auf der Matte.
Burghausen, Kleinostheim, Hösbach und der ASV – diese Mannschaften zählt Sedat Sevsay zum engeren Favoritenkreis auf den Meistertitel.
„Dazu haben Greiz und Aue ordentlich aufgerüstet. Weingarten hat fast den kompletten Ausländerkader ausgetauscht. Diese Teams haben auch Chancen auf den Titel“, betont Baden-Württembergs Trainer des Jahres 2025.
Meister Burghausen kommenden Samstag in der Grauhalde.
Eine erste Standortbestimmung wartet nun am Samstag gegen den SV Wacker Burghausen. Die Oberbayern müssen in dieser Saison auf drei bewährte Stammkräfte verzichten: Erik Thiele wechselte zum ASV Greiz, Christopher Kraemer schloss sich Kleinostheim an und Roland Schwarz hat seine Karriere beendet.
„Burghausen ist dennoch einer der Topfavoriten. Sie haben eine sehr gute und überlegt zusammengestellte Ausländerachse mit nahezu unbesiegbaren Ringern wie David Baev und Chermen Valiev. Dazu kommt eine starke Deutsch-Achse mit Namen wie Lazowski, Ibaev oder Kartojev. Ich bin mir sicher, dass der SV Wacker am Samstag mit voller Kapelle anreisen wird, um die Punkte aus Schorndorf mitzunehmen. Das werden wir aber zu verhindern wissen“, sagt Sedat Sevsay kämpferisch.
Wegen des erwarteten Zuschauerandrangs und der begrenzten Parkmöglichkeiten rund um die Sporthalle Grauhalde empfiehlt der ASV Schorndorf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen und frühzeitig vor Ort zu sein.


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