ASV Schorndorf dreht Kampf bei der RKG Reilingen/Hockenheim zum 14:13-Sieg
Beim ersten Auswärtskampf der Saison ist Ringer-Bundesligist ASV Schorndorf nur knapp an einer Niederlage beim letztjährigen Zweitligisten RKG Reilingen/Hockenheim vorbeigekommen. Die Mannschaft des Trainergespanns Sedat Sevsay und Jörg Sänger kam mit einem blauen Auge davon und setzte sich am Ende glücklich mit 14:13 durch.
Mit gemischten Gefühlen nahmen die Remstäler den Erfolg entgegen – schließlich war ausgerechnet eine Disqualifikation des Gegners im letzten Kampf notwendig, um die drohende Niederlage noch abzuwenden. Doch was war geschehen?
Krahmer und Timur Demir hielten den ASV im Rennen.
Youngster Iannis Lupu hatte zum Auftakt im Freistil bis 61 kg gegen den körperlich stärkeren und erfahreneren Dario Dittrich keine Chance und musste sich vorzeitig geschlagen geben.
Dafür zeigte Jello Krahmer im zweiten der zehn Duelle erneut, dass auf ihn Verlass ist. Noch 23 Sekunden vor dem Ende seines Kampfes führte Jello Krahmer gegen seinen Gegner 2:0, ehe er in den Schlusssekunden die Brechstange auspackte und auf 8:0 erhöhte – perfekt, um aus einem Zähler gleich drei Mannschaftspunkte für sein Team zu machen.
Enorm wichtig war anschließend der knappe 2:1-Erfolg des Deutschen Meisters Timur Demir gegen Christiano Liebezeit. Gegen den U17-Vize-Europameister hatte der 17-jährige Timur Demir große Mühe, schaffte es aber in den letzten Sekunden, noch den Mannschaftspunkt für den ASV einzufahren.
Auf verlorenem Posten stand Neuzugang Adam Leifridt, der Ertugrul Agca vertrat und mit einem Körpergewicht von lediglich 88,8 kg in der Klasse bis 98 kg gegen den deutlich schwereren Akhmed Magamaev antreten musste. Nach vier Minuten war der Kampf von Adam Leifridt gegen Akhmed Magamaev beendet und der Schorndorfer musste die technische Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Da auch Burak Demir vorzeitig gegen Sergiu Lupasco verlor, ging es beim Stand von 12:4 für die Gastgeber in die Halbzeitpause.
Auch Ahmet Yilmaz ging eine Gewichtsklasse höher auf die Matte und traf im Griechisch-Römischen Stil bis 86 kg auf den fast einen Kopf größeren zweifachen Olympia-Bronzegewinner Denis Kudla, dem er ein 2:2 abrang. Da es im Ringkampfsport bei einem Unentschieden dennoch einen Sieger gibt und Denis Kudla nach sechs Minuten eine Zweier-Wertung, Ahmet Yilmaz dagegen nur zwei Einser-Wertungen verbucht hatte, ging der Punkt an die RKG.
Vier Siege in Folge mussten jetzt her.
Damit führte die RKG Reilingen/Hockenheim mit 13:4 und der ASV durfte keinen der noch ausstehenden vier Kämpfe mehr abgeben. Das Trainerteam gab nun die Anweisung, ein höheres Risiko einzugehen, um den Bundesliga-Kampf doch noch irgendwie zu drehen.
Die Athleten setzten diese Vorgabe um. Zunächst verkürzte Ruslan Kudrynets mit einem 7:1-Erfolg gegen Luis Greif auf 13:6, anschließend steuerte Neuzugang Burak Salviz mit einem 6:2 gegen Maik Braun zwei weitere Zähler bei. Nachdem auch Stas David Wolf gegen Maxim Fricatel mit 7:4 gewonnen hatte, konzentrierte sich beim Stand von 13:10 für die Hausherren alles auf das letzte Duell des Abends.
Ibrahim Ghanem – wenn es darauf ankommt, ist Verlass auf den Weltklassemann.
Beim Stand von 13:10 lag im abschließenden Kampf des Abends der Druck auf den Schultern von Ibrahim Ghanem. Gegen den 19-jährigen Artur Amoyan benötigte der Welt- und Europameister mindestens drei Mannschaftspunkte, um für den ASV zumindest noch ein Unentschieden unter Dach und Fach zu bringen.
Ibrahim Ghanem ging die Aufgabe entsprechend an. Von Beginn an bestimmte der Schorndorfer den Kampf gegen Artur Amoyan, setzte den Armenier unter Druck und schob ihn insgesamt 13-mal von der Matte. Immer wieder musste Artur Amoyan verschnaufen und wurde vom Kampfrichter aufgefordert, aufzustehen und sich erneut Ibrahim Ghanem zu stellen.
Es war kein schöner Kampf – aber einer, in dem Ibrahim Ghanem sehr genau wusste, was für seine Mannschaft auf dem Spiel stand. Nach 5:16 Minuten wurde Artur Amoyan zum dritten Mal verwarnt. Die Folge: Disqualifikation und vier Mannschaftspunkte für Schorndorf. Damit machte Ibrahim Ghanem aus einer schwierigen Ausgangslage den entscheidenden Punktgewinn zum 14:13-Auswärtssieg des ASV.
Für die Gastgeber war dieses bittere Ende entsprechend schwer zu verdauen. Die Diskussionen und der Frust über die Entscheidung waren groß. Aus Schorndorfer Perspektive bleibt jedoch vor allem eine Erkenntnis: Wenn ein Mannschaftskampf auf der Kippe steht, braucht es Ringer, die dem Druck standhalten und ihre Aufgabe erfüllen. Ibrahim Ghanem hat genau das einmal mehr unter Beweis gestellt.
Knapper Erfolg als Warnung für den ASV.
Das knappe 14:13 bei der RKG Reilingen/Hockenheim war zugleich eine Warnung, dass vermeintliche Underdogs nicht unterschätzt werden dürfen und auch die letztjährigen Zweitligisten durchaus das Potenzial besitzen, einem der Favoriten ein Bein zu stellen.
Gemeinsam mit Kleinostheim, Weingarten, Greiz und Mainz gehört Schorndorf nun zu fünf Mannschaften in der 20er-Bundesliga, die nach zwei Kämpfen noch ungeschlagen sind.
Am Samstag um 19.30 Uhr gastiert der KV Riegelsberg zum nächsten Bundesliga-Kampf in der Schorndorfer Grauhalde.
RKG Reilingen/Hockenheim – ASV Schorndorf 13:14 (12:4)
61 kg FR: Dittrich – Lupu 15:0 TÜ (4:0).
130 kg GR: Vardanyan – Krahmer 0:9 PS (4:3).
66 kg GR: Liebzeit – T. Demir 1:2 PS (4:4).
98 kg FR: Magameav – Leifridt 17:2 TÜ (8:4).
71 kg FR: Lupasco – B. Demir 16:0 TÜ (12:4).
86 kg GR: Kudla – Yilmaz 2:2 PS (13:4).
75 kg GR: Greif – Kudrynets 1:7 PS (13:6).
80 kg FR: Fricatel – Wolf 4:7 PS (13:8).
75 kg FR: Braun – Salviz 2:6 PS (13:10).
80 kg GR: Amoyan – Ghanem 3:13 DQ (13:14).


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