ASV setzt erstes Ausrufezeichen mit Sieg gegen den Meister

ASV Schorndorf – SV Wacker Burghausen 13:11 (8:7)

Das hat gutgetan: Zum Saisonstart der Ringer-Bundesliga 2026/27 besiegte der ASV Schorndorf in der heimischen Grauhalde den amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister SV Wacker Burghausen mit 13:11. Obwohl die „Spartaner“ zu keinem Zeitpunkt in Rückstand gerieten, blieb das Bundesliga-Duell der beiden alten Rivalen bis zum letzten Kampf offen.

Burghausen reist in voller Stärke an

Im Vorfeld war man beim ASV unsicher gewesen, welche Aufstellung von den Gästen zu erwarten war – hatten diese doch in der Vergangenheit immer wieder ihre stärksten Ringer zuhause gelassen.

„Als Burghausen hier eingelaufen ist und ich die Mannschaft gesehen habe, ist mir ehrlich gesagt etwas die Kinnlade runtergefallen“, gestand der Schorndorfer Vorstand und Trainer Sedat Sevsay nach dem erfolgreichen Abend. „Die sind mit voller Stärke mit einer Playoff-Aufstellung angereist, während wir verletzungstechnisch kurzfristig umplanen mussten und nur mit drei ausländischen Ringern antreten konnten.“

Der Startschuss in die neue Saison war gleich einem der Jüngsten im Team vorbehalten. Der 17-jährige Neuzugang Iannis Lupu hatte bei seinem ersten Bundesliga-Kampf eine dankbare Aufgabe gegen den noch jüngeren Eric Dietrich. Bereits nach etwas mehr als einer Minute holte er mit einem Schultersieg die ersten vier Punkte für sein neues Team.

Souverän absolvierte auch Jello Krahmer seinen ersten Kampf der neuen Saison. Nach fünfeinhalb Minuten Kampfzeit führte er gegen Alexander Kreimer mit 8:0, gab in den letzten Sekunden aber noch einmal alles, um für seine Mannschaft die volle Punktzahl zu holen. 18 Sekunden vor Ablauf der sechs Minuten machte er mit einer Energieleistung den Überlegenheitssieg perfekt.

Eindrucksvoll präsentierte sich auch der zweite 17-jährige Schorndorfer Neuzugang. Timur Demir trat beherzt gegen den zweifachen Medaillengewinner bei Asienmeisterschaften, Amangali Bekbolatov aus Kasachstan, an. Zwar unterlag er, angefeuert von „Timur, Timur“-Sprechchören, mit 1:3, doch war klar zu erkennen, dass die Fans an dem „jungen Wilden“ noch viel Freude haben werden.

Weltmeister stellt sich in den Dienst der Mannschaft

Anders als erwartet verlief das Debüt von Neuzugang Georgios Kougioumtsidis. Da der angestammte 98-kg-Freistil-Athlet Ertgrul Agca kurzfristig ausfiel, rückte der amtierende 79-Kilogramm-Weltmeister gleich um zwei Gewichtsklassen auf und unterlag dem schwereren Batyrbek Tsakulov mit 4:11. Dennoch war Sedat Sevsay voll des Lobes für den Griechen:

„Der Junge hat Charakter, das hat er heute gezeigt. Wenn man als Weltmeister bei seinem Debüt vor eigenem Publikum hoch verliert, sieht das erstmal nicht gut aus. Doch er hat sein persönliches Abschneiden hintenan und sich voll in den Dienst des Teams gestellt. Das rechne ich ihm hoch an.“

Im letzten Kampf vor der Pause unterlag Henrik Früh, der von der zweiten in die erste Mannschaft aufgerückt ist, vorzeitig Magomed Kartojev, sodass zur Halbzeit eine Schorndorfer 8:7-Führung zu Buche stand.

Nach der Pause hielt Ahmet Yilmaz den Vorsprung mit einem 5:3-Punktsieg gegen Idris Ibaev aufrecht. Ruslan Kudrynets ließ einen weiteren knappen Sieg gegen Artur Tatarinov folgen. Nach sechs Minuten hatte es 1:1 gestanden, aufgrund der ersten Wertung ging der eine Mannschaftszähler jedoch an den Deutsch-Ukrainer. Dabei kam eine neue Regel zur Anwendung: Bislang war bei einem Unentschieden derjenige Sieger, der die letzte Wertung erzielt hatte.

Stas David Wolf dreht den Schlüsselkampf

Zum Schlüsselkampf auf dem Weg zum Sieg wurde das Duell von Stas David Wolf gegen den WM- und EM-Dritten Akhsarbek Gulaev. Der Deutsche Meister, der die gesamte vergangene Saison verletzt ausgefallen war, lag bei seinem Comeback im ASV-Trikot bis neun Sekunden vor Kampfende mit 1:2 zurück. Dann überschlugen sich die Ereignisse: Mit beherzten Aktionen drehte Wolf das Duell noch und feierte einen 5:4-Sieg.

„Ich wollte den Kampf unbedingt gewinnen, wusste aber, wenn ich zu früh nochmal eine Aktion starte, gebe ich ihm die Chance zum Kontern. Also habe ich die Uhr im Auge behalten und gewartet bis 30 Sekunden vor dem Ende und habe ihn dann angegriffen. Der Plan ist aufgegangen“, strahlte der 23-Jährige, der seinen Gegner beinahe noch auf die Schulter bugsiert hätte.

Wolf brachte den ASV Schorndorf zwar mit 11:7 in Front, doch war absehbar, dass es Neuzugang Burak Salviz gegen Welt- und Europameister David Baev schwer haben würde, über die vollen sechs Minuten zu kommen. Dies bewahrheitete sich: Nach 2:53 Minuten musste er sich durch technische Überlegenheit geschlagen geben, sodass Burghausen zum 11:11 ausgleichen konnte.

Ghanem behält im entscheidenden Kampf die Nerven

„Ich glaube, das bleibt heute alles bis zum letzten Kampf offen“, hatte der zweite ASV-Coach Jörg Sänger in der Halbzeitpause noch orakelt – und er sollte recht behalten. Alles hing nun davon ab, wie sich Ibrahim Ghanem gegen Baschir Kartojev schlagen würde, der in der Vorsaison noch den Schorndorfer Publikumsliebling Iuri Lomadze geschultert hatte.

Der französische Welt- und Europameister blieb cool, erarbeitete sich früh einen 3:0-Vorsprung und baute diesen nach der Pause auf 4:0 aus. Dann verlegte er sich auf das Verwalten der Führung und brachte den Sieg unaufgeregt und routiniert nach Hause.

„Gleich zum Saisonstart den Meister zu schlagen, ist natürlich ein Statement“, freute sich Jörg Sänger über den nicht unbedingt erwarteten Erfolg.

Auch Sedat Sevsay ordnete das 13:11 als großen Erfolg ein: „Der amtierende Deutsche Meister kommt mit voller Kapelle und wir schlagen ihn, obwohl wir noch nicht komplett sind. Das ist schon etwas Besonderes.“

Bereits am Freitag (20.30 Uhr) geht es für die Remstäler auswärts bei der RKG Reilingen/Hockenheim weiter. Die RKG verlor ihren Auftaktkampf in Freiburg mit 9:16.

ASV Schorndorf – SV Wacker Burghausen 13:11 (8:7)

61 kg FR: Lupu – Dietrich 16:0 SS (4:0). 130 kg GR: Krahmer – Kreimer 15:0 TÜ (8:0). 66 kg GR: Demir – Bekbolatov 1:3 PS (8:1). 98 kg FR: Kougioumtsidis – Tsakulov 4:11 PS (8:3). 71 kg FR: Früh – M. Kartojev 0:16 TÜ (8:7). 86 kg GR: Yilmaz – Ibaev 5:3 PS (9:7). 75 kg GR: Kudrynets – Tatarinov 1:1 PS (10:7). 80 kg FR: Wolf – Gulaev 5:4 PS (11:7). 75 kg FR: Salviz – Baev 0:16 TÜ (11:11). 80 kg GR: Ghanem – B. Kartojev 4:0 PS (13:11).

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