Sedat Sevsay ist Baden-Württembergs „Trainer des Jahres“ 2025

Im Porsche Museum in Stuttgart fand am Dienstag, 20.01.2026, die Verleihung des Trainerpreises 2025 des Landessportverbands Baden-Württemberg statt. Die Auszeichnung als „Trainer des Jahres“ 2025 nahm Sedat Sevsay, Chef-Trainer der Ringer vom ASV Schorndorf, entgegen. Weitere Preise gingen an Schwimm-Experte Dr. Michael Spikermann, den langjährigen Trainer in der Nordischen Kombination Klaus Faißt – und an die Landespolizei Baden-Württemberg.

„Ich brauche etwas, das mich antreibt“, sagt Sedat Sevsay über sich.

Trainer der Meistermannschaft des ASV Schorndorf von 2025

In den vergangenen zehn Jahren war das der Traum vom deutschen Meistertitel mit den Ringern des ASV Schorndorf. Im Ehrenamt führte der 52-Jährige sein Team zu fünf Aufstiegen und konnte schließlich 2025 den Pokal für die Deutsche Meisterschaft in die Höhe recken. Dieser eindrucksvolle Erfolg bescherte ihm jetzt einen weiteren Höhepunkt seiner Trainer-Laufbahn: die Auszeichnung als Baden-Württembergs „Trainer des Jahres“ 2025. Einen besonders emotionalen Moment erlebte Sedat Sevsay bei der Laudatio. Denn diese hielt Olympia-Ringer Jello Krahmer, sein Athlet und Stiefsohn.

Ehrung durch den Landessportverband Baden-Württemberg

Der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) zeichnete am Dienstag im Porsche-Museum bereits zum 29. Mal gemeinsam mit seinen Partnern, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und der BARMER sowie mit freundlicher Unterstützung der Porsche AG, die Arbeit außergewöhnlicher Trainer-Persönlichkeiten aus. Die jeweiligen Preise sind mit bis zu 3.000 Euro dotiert. In festlichem Rahmen führten Moderator Michael Antwerpes und die ehemalige Weltklasse-Turnerin Elisabeth Seitz rund 160 Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft unterhaltsam durch den Abend.

Sedat Sevsay ist 1. Vorstand und Cheftrainer bei den Ringern des ASV Schorndorf – und der Kopf hinter einer eindrucksvollen Erfolgsserie, die 2025 mit dem deutschen Mannschaftstitel gekrönt wurde.

Angesichts seiner Familiengeschichte ist es schwer zu glauben, dass sich Sedat Sevsay einst für seine erste Turnierteilnahme heimlich aus dem Haus stehlen musste. Sein Vater: zweifacher Türkischer Meister im griechisch-römischen Stil. Seine vier älteren Brüder: ebenfalls erfolgreiche Ringer. Da war der Wunsch der Mama groß, dass sich der Jüngste für einen anderen Sport entscheidet. Doch Sedat Sevsay wollte Ringer werden. Und wenn er sich etwas in den Kopf setzt, dann zieht er das auch durch.

„‘Ich packe das nicht‘ zählt nicht zu meinem Repertoire“, bestätigt der heute 52-Jährige.

„Ich bin ein Workaholic. Ich brauche etwas, das mich antreibt.“ Um die Jahrtausendwende zählte er selbst im Ringen zur deutschen Spitze, fand Ende der 90er Jahre seine sportliche Heimat beim ASV Schorndorf. Die eigene Karriere war rasch gefolgt von ersten Einsätzen als Trainer. Der Wunsch, sich stetig zu verbessern, mündete in der höchsten Trainerlizenz.

Vor etwa 13 Jahren übernahm Sedat Sevsay schließlich beim ASV Schorndorf regelmäßige Aufgaben im Vorstand und im Training, seit 2017 ist er 1. Vorstand und Cheftrainer. In dieser Zeit hat er ein Spitzenteam geformt, für das mit Jello Krahmer und Lucas Alexandros Lazogianis zwei deutsche Olympia-Teilnehmer auf die Matte gehen. 2025 führte er dieses Team nach insgesamt fünf Aufstiegen zum deutschen Mannschaftstitel.

Professionalisierung führt auf den Rathaus-Balkon

Der Erfolg ist das Resultat von kontinuierlicher Professionalisierung, vom Teambuilding über die medizinische Versorgung bis hin zum Management von Partnern und Sponsoren. Alles Aufgaben, um die sich Sedat Sevsay kümmert. Und der Erfolg ist das Resultat ambitionierter Ziele:

„Ich habe schon ganz am Anfang gesagt: Irgendwann müsst ihr mir die Tür zum Rathaus-Balkon aufschließen“, erinnert sich der Meistermacher lachend.

Gemeinsam mit seinen Jungs vor der jubelnden Menge die Meisterschale in die Höhe recken, so wie die Fußballer vom FC Bayern München – dieser Traum trieb den Chef der Schorndorfer Ringer seit dem ersten Tag an. „Als wir dort standen, habe ich realisiert, wieviel dieser Titel den Menschen der Region bedeutet. Wir konnten damit auch etwas zurückgeben für die Unterstützung, die wir erfahren.“

Seite an Seite mit Stiefsohn Jello Krahmer

Stolz verspürt Sedat Sevsay besonders, wenn er auf den Weg blickt, den er zurückgelegt hat. Dieser ist untrennbar mit dem seines Stiefsohns Jello Krahmer verbunden. Zu Beginn seiner Trainertätigkeit noch „Coach auf Abruf“, wenn Not am Mann war, übernahm Sedat Sevsay von Beginn an das Training des heute 30-Jährigen und formte ihn zum Weltklasse-Ringer. Der vorläufige Höhepunkt: die Olympia-Teilnahme von Jello Krahmer 2024 in Paris, für die Sedat Sevsay als Heim- und Michael Carl als Bundestrainer die Weichen stellten.

„Jello und ich inspirieren uns gegenseitig“, erklärt Sedat Sevsay.

„Er bringt vielleicht nicht das allergrößte Talent mit, aber er ist ein akribischer Arbeiter, er liest sich in Themen und Methodiken ein und berichtet mir von seinen Erfahrungen. Wir sind beide sehr an Professionalisierung interessiert.“

Unterstützung von Familie und Arbeitgeber

Seine Trainerrolle übe er leidenschaftlich, aber besonnen aus: „Ich versuche immer ruhig zu bleiben“, erklärt Sedat Sevsay, fügt aber auch schmunzelnd hinzu: „Beim Coaching gelingt mir das nicht immer, da bin ich auch mal nicht mit einer Schiedsrichter-Entscheidung einverstanden.“ In Wettkampfphasen sei er als Trainer ebenso wie die Sportler in einem Tunnel und voll auf das sportliche Ziel fokussiert. Nur gut, dass er mit Sonja Krahmer eine Frau an seiner Seite weiß, die den Sport ebenso leidenschaftlich verfolgt wie er:

„Der Sport ist für uns ein Familienprojekt. Als Jellos Mama ist meine Frau immer mit dabei und unser größter Fan.“

So wird jährlich gemeinsam der Jahresplan des Deutschen Ringerbundes studiert. Dann wird der Plan für die neue Wettkampf-Saison geschmiedet. Und dann wird Urlaub eingereicht. Denn hauptberuflich ist Sedat Sevsay als Produktmanager bei einem Automobil-Hersteller beschäftigt. Er schätzt sich glücklich, dass seine Chefs ihm für sein sportliches Engagement viele Freiheiten einräumen, es mittlerweile sogar bei Motivationsvorträgen und Ähnlichem für sich zu nutzen wissen.

Auf den Spuren des Vaters

Auch Eltern, Brüder und Schwester von Sedat Sevsay haben längst ihren Frieden damit geschlossen, dass der 52-Jährige sein Leben dem Ringen verschrieben hat. Einer seiner Brüder ist als Sponsor des Vereins engagiert. Der Papa, Gründungsmitglied und ehemaliger Präsident des Türkischen Ringerbundes in Europa, verfolgte im Krankenbett am Bildschirm die Entscheidung um die Deutsche Ringer-Meisterschaft. Mittlerweile ist der 88-Jährige wieder auf den Beinen. Im Dezember durfte er auf der Sportgala der Türkischen Sportkommission Baden-Württemberg den Ehrenpreis für sein Lebenswerk im Ringkampfsport entgegennehmen.

Als „Inspiration“ und „Vorbild“ beschreibt Sedat Sevsay das lebenslange Wirken seines Vaters.

Er selbst hat ebenso langfristige Ziele, die weit über das Erreichte hinausgehen. Und die dürften für alle Gegner des ASV Schorndorf wie eine Kampfansage klingen:

„Wir wollen eine Ära prägen!“

 


 

Weitere Informationen zur Ehrung von Sedat Sevsay:

 

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