ASV Schorndorf – SV Germania Weingarten 16:12 / Glanzvolle Rückkehr in die Grauhalde.

Mit einem 16:12-Heimsieg gegen den SV Germania Weingarten haben sich die Bundesliga-Ringer des ASV Schorndorf im Hinkampf des Playoff-Halbfinales um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft eine ausgezeichnete Ausgangsposition für den Rückkampf am kommenden Samstag erarbeitet.

17:13 und 19:15 – so lauteten die beiden deutlichen Siege des Titelverteidigers gegen die Badener in der Hauptrunde. Dennoch war der Optimismus bei den Remstälern spätestens an der Waage deutlich gedämpft. Als die Gäste rund 45 Minuten vor Kampfbeginn ihre zehn Athleten benannten, war schnell klar, dass Weingarten personell deutlich stärker auftreten würde als erwartet.

„Die Aufstellung von Weingarten war eine Überraschung, wir hatten es uns leichter vorgestellt“, sagte ASV-Trainer Sedat Sevsay.

Auch sein Kollege Jörg Sänger sprach von einem Aufstellungspoker, der das Team überrascht habe. „14:13“ für sein Team hatte er als Hochrechnung notiert – mit dem Hinweis, dass das Ergebnis ebenso in die andere Richtung kippen könne.

Ausverkaufte Grauhalde und starker Beginn der Gäste.

Die runderneuerte Sporthalle Grauhalde war bei der Rückkehr des ASV Schorndorf in seine angestammte Heimkampfstätte mit 870 Zuschauern restlos ausverkauft. Neben den heimischen Fans sorgten auch zahlreiche mit zwei Bussen angereiste Gästefans aus dem Kreis Karlsruhe für eine stimmungsvolle Kulisse.

Sportlich begann der Kampfabend mit einem Rückschlag für die Gastgeber. Burak Demir unterlag gegen den überlegenen Horst Lehr vorzeitig, nachdem er sich lange clever zur Wehr gesetzt hatte. Neun Sekunden vor Kampfende machte Lehr seine Überlegenheit entscheidend deutlich und brachte Weingarten mit 4:0 in Führung.

Im Schwergewicht standen sich anschließend Jello Krahmer und Eduard Popp gegenüber. Das Schorndorfer Eigengewächs setzte sich mit 4:0 Punkten durch, sammelte zwei Zähler aufgrund seines aktiveren Auftretens und schob den vierfachen Deutschen Meister zweimal von der Matte.

Kevin Karl hielt gegen die explosiven Angriffe von Dovudzhon Toshev lange dagegen, unterlag jedoch nach 4:41 Minuten vorzeitig. Da Ertugrul Agca anschließend gegen Etienne Wyrich einen Überlegenheitssieg feierte, stand es nach vier Kämpfen 6:8 aus Sicht des ASV.

Wendepunkte vor und nach der Pause.

Ein Schlüsselduell entwickelte sich unmittelbar vor der Halbzeitpause. Ayub Musaev führte gegen Vasyl Shuptar bereits mit 3:0, ehe der Ukrainer seine ganze Routine ausspielte und den Kampf zum 5:3 drehte. Mit einer enormen Kraftanstrengung gelang Musaev mit dem Schlussgong eine doppelte Wertung zum 5:5, die dem ASV aufgrund der letzten Wertung einen wichtigen Mannschaftspunkt einbrachte.

Zur Pause lag der ASV knapp mit 13:14 zurück. „Wenn Deni Nakaev gegen Florian Neumaier gewinnt und Murad Kuramagomedov Manuel Wagin schlagen kann, könnte es aber eventuell sogar für einen Sieg reichen“, so der Coach in der Pause.

Beide hielten dem Druck stand. Deni Nakaev rang Florian Neumaier in einem engen Duell mit 2:1 nieder und glich zum 8:8 aus. Murad Kuramagomedov ließ U23-Europameister Manuel Wagin kaum zur Entfaltung kommen und gewann verdient mit 6:1 Punkten.

Dazwischen hatte Iuri Lomadze in gewohnt spektakulärer Manier in nur 95 Sekunden einen Überlegenheitssieg gegen Janis Heinzelbecker gefeiert, sodass der ASV nach acht Kämpfen mit 14:8 führte. Nachdem Alexander Schlee erwartungsgemäß vier Mannschaftspunkte gegen Marcel Wagin abgab, musste beim Stand von 14:12 das letzte Duell über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Spektakulärer Schlusskampf entscheidet den Hinkampf für die Spartaner.

Ahmet Yilmaz traf auf Nao Kusaka – der WM-Dritte aus der Türkei gegen den japanischen Olympiasieger und Vizeweltmeister. Yilmaz setzte früh ein Ausrufezeichen und überrumpelte Kusaka nach 2:10 Minuten mit einer Viererwertung, die auch einer Videoüberprüfung standhielt. Mit einer 4:1-Führung im Rücken konzentrierte sich der Schorndorfer auf eine kontrollierte Kampfführung. Zwar verkürzte Kusaka auf 4:2, doch Yilmaz nutzte eine kurze Unaufmerksamkeit zum entscheidenden 6:2. Trotz hoher Emotionalität in der bebenden Halle brachte er den Sieg in der Schlussminute über die Zeit und sicherte seinem Team den 16:12-Erfolg.

„Wenn du einen Schlussringer wie Ahmet Yilmaz hast, dann kann das die halbe Miete sein“, sagte Trainer und Vorstand Sedat Sevsay nach dem Sieg.

„Ahmet Yilmaz ist ein absoluter Krieger, eine Ein-Mann-Armee. Ihm ist es egal, ob er gegen einen Olympiasieger oder einen Weltmeister antritt. Er hat gekämpft bis zum Umfallen. Es war einfach sensationell, wie er die zwei Mannschaftspunkte gegen den Olympiasieger nach Hause gebracht hat.“

Mit dem Vier-Punkte-Vorsprung im Rücken reist der ASV Schorndorf nun zum Rückkampf nach Weingarten und möchte dort den erneuten Einzug ins Finale perfekt machen. Sollte dies gelingen, würde eine Woche später der Final-Heimkampf des Titelverteidigers in der Ludwigsburger MHPArena stattfinden.


ASV Schorndorf – SV Germania Weingarten 16:12 (7:8)

61 kg FR: Demir – Lehr 0:17 TÜ (0:4).
130 kg GR: Krahmer – Popp 4:0 PS (2:4).
66 kg GR: Karl – Toshev 0:15 TÜ (2:8).
98 kg FR: Agca – Wyrich 15:0 TÜ (6:8).
71 kg FR: Musaev – Shuptar 5:5 PS (7:8).
86 kg GR: Nakaev – Neumaier 2:1 PS (8:8).
75 kg GR: Lomadze – Heinzelbecker 17:0 TÜ (12:8).
80 kg FR: Kuramagomedov – Manuel Wagin 6:1 PS (14:8).
75 kg FR: Schlee – Marcel Wagin 0:16 TÜ (14:12).
80 kg GR: Yilmaz – Kusaka 6:2 PS (16:12).

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