SVG Weingarten – ASV Schorndorf 15:9 / Saisonende statt Finaleinzug für die Spartaner

Saisonende für die Ringer des ASV Schorndorf: Nach dem 16:12-Erfolg im Hinkampf des Bundesliga-Halbfinales gegen den SVG Weingarten verpasste der Titelverteidiger im Rückkampf den erneuten Einzug ins Finale. In der Grub-Arena unterlagen die Schorndorfer mit 9:15, womit sich die Badener mit einem Gesamtergebnis von 27:25 durchsetzten und nun im Finale auf Burghausen treffen.

Ein Abend der verpassten Möglichkeiten.

Es war ein klassischer „Hätte, wäre, wenn“-Abend aus Sicht des ASV. Hätte Ayub Musaev seine 4:0-Führung gegen Vasyl Shuptar über die Zeit gebracht, statt mit dem Schlussgong noch eine 6:7-Niederlage zu kassieren, wären zwei Mannschaftspunkte statt eines Punktverlusts möglich gewesen.

Auch im Duell von Dawid Wolny gegen Marcel Wagin blieb eine mögliche Korrektur ungenutzt: Wäre die Schorndorfer Challenge erfolgreich gewesen, hätte Wolny nur 0:6 oder 0:7 statt 0:8 verloren und damit lediglich zwei statt drei Mannschaftspunkte abgegeben.

Ähnlich verlief der Kampf von Ibrahim Ghanem gegen Louis Lay. Hätte sich der Franzose nicht durch einen Kopfstoß seines Gegners aus dem Konzept bringen lassen, wären die fest eingeplanten drei oder vier Punkte für sein Team realistisch gewesen.

Frühe Wendungen und knappe Duelle.

So aber lief am Samstag vieles gegen den Deutschen Mannschaftsmeister der Saison 2024/25, der sich dennoch bis zum Schluss Chancen auf ein Comeback offenhalten konnte. Die vier Punkte, die Youngster Dominik Sigle nach 51 Sekunden gegen Daniel Layer abgeben musste, glich Mohsen Siyar mit einem Überlegenheitssieg gegen Etienne Wyrich unmittelbar wieder aus.

Nachdem Ayub Musaev sein Duell gegen Vasyl Shuptar spät aus der Hand gegeben hatte, hielt Lucas Lazogianis sein Team mit einer Vierer-Wertung in letzter Sekunde und einem 10:1-Erfolg gegen Florian Neumaier im Rennen. Nach der erwarteten Niederlage von Alexander Schlee gegen Mamadassa Sylla stemmte sich Kiril Kildau mit großer Gegenwehr gegen den ehemaligen U23-Vizeweltmeister Gadzhimurad Magomedsaidov und gab beim 2:4 nur einen statt der einkalkulierten zwei bis drei Mannschaftspunkte ab.

Offener Schlagabtausch im Hexenkessel.

Beim Stand von 10:7 für Weingarten war weiterhin alles offen. „Am Schluss kommen noch unsere drei Krieger Yilmaz, Ghanem und Kuramagomedov und wir gewinnen davon in jedem Fall noch zwei Kämpfe, einen davon sehr hoch“, hatte Jörg Sänger in der Halbzeit noch orakelt. Für den ASV-Coach persönlich war es der schwerste Kampfabend der Saison. Nach seiner roten Karte aus dem Hinkampf musste er diesmal auf der Zuschauertribüne Platz nehmen.

Mit den letzten vier Kämpfen kippte das Momentum zunehmend zugunsten der Gastgeber. Dawid Wolny, der beherzt kämpfte und beim 0:8 drei statt der eingeplanten zwei Punkte abgab, brachte es auf den Punkt:

„Wir hatten heute viele enge Kämpfe, die am Ende in die andere Richtung liefen. Das hat sich wie ein roter Faden durch den Abend gezogen. Dazu diese extreme Atmosphäre in der Halle, die einen zwar nicht direkt beeinflusst, die man aber schon unterbewusst wahrnimmt.“

Trotz lautstarker Unterstützung der mitgereisten Schorndorfer Fans war der Lärmpegel in der mit 1.800 Zuschauern ausverkauften Grub-Arena enorm. „Man spricht hier nicht ohne Grund von einem Hexenkessel, der nicht nur auf den einen oder anderen Ringer, sondern auch auf die Schiris Einfluss haben kann“, sagte auch Kiril Kildau, der sich davon nach eigener Aussage aber nicht hat stören lassen.

Entscheidung fällt in der Schlussphase.

Im achten Kampf baute der SVG Weingarten seine Führung auf 15:7 aus. Im Rematch zwischen Ibrahim Yilmaz und Olympiasieger Nao Kusaka nahm der Japaner Revanche für die Vorwoche und siegte diesmal mit 7:2.

Der folgende Kampf hätte das Blatt noch einmal wenden können. Weltmeister von 2023 und Vizeweltmeister 2024 und 2025, Ibrahim Ghanem, ließ sich jedoch von Louis Lay aus dem Konzept bringen. Nach einer ungenutzten Bodenlage und einem Kopfstoß verlor der Franzose zunehmend die Kontrolle, rettete sich zwar zu einem 5:3-Sieg, konnte seinem Team damit aber nicht mehr entscheidend helfen.

Vor dem letzten Kampf bestand rechnerisch noch Hoffnung. Hätte Murad Kuramagomedov gegen Manuel Wagin drei Mannschaftspunkte geholt, wäre es in der Addition zu einem 27:27 gekommen – der ASV Schorndorf hätte aufgrund der mehr gewonnenen Einzelkämpfe das Finale erreicht. Doch der 18-jährige U20-Europameister und „Ringer des Jahres 2025“ agierte abgeklärt, ließ nur einen knappen 6:4-Punktsieg Kuramagomedovs zu und machte sich zum gefeierten Helden der Gastgeber.

„Als Kiril Kildau gegen den Aserbaidschaner nur einen Punkt abgegeben hatte, dachte ich, es müsste reichen. Dann hat es uns aber das Genick gebrochen, dass Ibrahim Ghanem nicht mit seinem Gegner klargekommen ist.“

„Das ist für uns jetzt hart und wir müssen es erstmal sacken lassen“, sagte ASV-Trainer und Vorstand Sedat Sevsay.

In der Analyse blickten Sevsay und Sänger auch auf den Saisonverlauf zurück. Unabhängig voneinander stellten beide fest, dass die Aufstellung aufgrund zahlreicher Ausfälle bei deutschen Ringern für die Gegner oft zu ausrechenbar gewesen sei. Georgios Scarpello konnte verletzungsbedingt nur zwei Kämpfe bestreiten, Stas David Wolf und Neuzugang Aaron Bellscheidt fielen die komplette Saison aus, zudem stand Shamil Ustaev nicht zur Verfügung. „Das soll natürlich keine Ausrede für das Ausscheiden jetzt im Halbfinale gewesen sein, denn dieses hat andere Gründe“, sagten beide unisono.

Nun wartet man beim ASV auf die Entscheidung des Deutschen Ringer-Bundes zur Gestaltung der Bundesliga-Saison 2026/27. Fest steht, dass die zweite Liga aufgelöst und deren Teams in die Bundesliga integriert werden. Wie viele Mannschaften antreten und welche Staffeleinteilung es geben wird, ist derzeit noch offen. Mit dem möglichen Aufstieg der SG Weilimdorf könnte es ein neues Derby geben – sofern beide Teams derselben Staffel zugeordnet werden.


Der ASV beim ZVW:

https://www.zvw.de/sport/asv-schorndorf-scheitert-im-halbfinale-traum-von-der-titelverteidigung-geplatzt_arid-1047062

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